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Vorträge

Die Veranstaltungen finden, sofern nicht anders angegeben, im ChorForum Essen, Fischerstr. 2-4, statt.
Der Eintritt ist in der Regel frei.

Donnerstag, 27. Januar 2022

Dr. Bertold Heizmann (Essen): Kraftgenies im Kastratenjahrhundert. Wandlungen des künstlerischen Selbstverständnisses im 18. Jahrhundert

Das künstlerische Selbstverständnis erfährt im 18. Jahrhundert im Zusammenhang mit der Neufassung des Geniebegriffs eine grundlegende Wandlung. Seit der Antike war es die Aufgabe der Kunst, die Natur nachzuahmen, dann war die Kunst der Antike selbst das Vorbild, das es nachzuahmen galt, um selbst, nach einem paradoxen Satz des Italienreisenden Johann Joachim Winckelmann, «unnachahmlich» zu werden. Dies konnte den jugendlichen Dichtern, die die Epoche des «Sturm und Drang» prägten, nicht genügen; sie fühlten in sich eigenschöpferische Kräfte und setzten den bislang geltenden Vorbildern das Prinzip der Originalität entgegen. Dies gilt nicht nur in künstlerischer, sondern auch in politischer und sozialer Hinsicht, wie insbesondere die Jugenddramen Schillers kraftvoll zum Ausdruck bringen. Als Höhepunkt und Sinnbild dieser Bewegung kann Goethes Prometheus gelten, der in seiner Auflehnung gegen Zeus das «Genie» und damit das Selbstbewusstsein nicht nur des Dichters, sondern des modernen Menschen überhaupt verkörpert.

 

Donnerstag, 17. Februar 2022

Ekaterine Horn (Düsseldorf): Erotische und homosexuelle Elemente bei Thomas Mann

Mit der „Knabenliebe“, die nicht nur im „Tod in Venedig“, sondern auch in mehreren anderen Erzählwerken Thomas Manns im Mittelpunkt steht, befasst sich der Vortrag der aus Georgien stammenden Germanistin Ekaterine Horn am 17. Februar, 18.00 Uhr, im ChorForum Essen. So enthält das Motivarsenal des Romans „Der Zauberberg“ Thomas Manns persönliche Erlebnisse, die bis in seine Kindheit zurückgehen. Seine Briefe und Tagebuchnotizen, die die homoerotisch anmutenden Schwärmereien des Dichters preisgeben, ermöglichen die Konstatierung der Zusammenhänge zwischen seinen Werken und eigenen Erfahrungen. Vieles hat Thomas Mann mystifiziert: Was fasziniert Hans Castorp (im „Zauberberg“) an der "kirgisenäugigen" Clawdia? Und worin bestehen die Geheimnisse der „Walpurgisnacht“?

 

Donnerstag, 3. März 2022

Prof. Dr. Christof Wingertszahn (Direktor des Goethe-Museums Düsseldorf): „Weg, du Traum! so Gold du bist" – Goethe und die Träume

Die herkömmliche Literaturgeschichte weiß Goethe als Mann der Tat und des gelebten Augenblicks deutlich von den Romantikern und ihrem Hang zu einer Traumwelt abzusetzen. Aber Goethe war keineswegs von diesem dunklen Kontinent, den die Literatur immer wieder fasziniert erkundet hat, unberührt geblieben. Auch er wurde, vor allem in jungen Jahren, von der "Traum- und Zaubersphäre" angezogen, die in den Walpurgisnachtsträumen des "Faust" deutliche Spuren hinterlassen hat. Traum-Motive erscheinen in den Gedichten des jungen Goethe und in Briefen an seine Freunde und an die verehrte Charlotte von Stein. Eines seiner Lebenssymbole ist der sogenannte "Fasanen-Traum" aus dem Jahr 1785. In der "Italienischen Reise" charakterisiert er ihn als eines der "Wahnbilder", an denen wir uns ergötzten, "die, weil sie aus uns selbst entspringen, wohl Analogie mit unserm übrigen Leben und Schicksalen haben müssen". – Dass Goethe den Traum aber oft verleugnet, hat Methode für eine Lebenspraxis, die ganz der Einhegung des Gefährlichen und schwer Kontrollierbaren folgt.

 

Donnerstag, 24. März 2022

Dr. Bozena Anna Badura (Moers):
Nationale Selbst- und Fremdbilder in ausgewählten Romanen des 19. Jahrhunderts

Die Literatur kann eingefahrene nationale Selbstbilder („Wir Deutschen“) oder Fremdbilder („Diese Polen!“, „So sind sie, die Juden!“) befestigen oder aber gegen diese aktiv vorgehen. Wofür interessiert sie sich und warum? In dem Vortrag sollen anhand zweier Perspektiven – am Beispiel der Romane Soll und Haben von Gustav Freytag und Ziemia obiecana (dt. Das gelobte Land) des Literatur-Nobelpreisträgers (1924) Władysław Reymont – nationale Selbst- und Fremdbilder der Deutschen, Polen und Juden des 19. Jahrhunderts nachgezeichnet werden, um u.a. nach der Funktionalisierung solcher stereotypischen Darstellungen in der Literatur und der Gesellschaft zu fragen.
Als Lehrbeauftragte an der Universität Duisburg-Essen und verantwortliches Mitglied zahlreicher literarischer Vereinigungen – u.a. der Literarischen Gesellschaft Ruhr – ist die junge aus Polen stammende Germanistin Bozena Anna Badura in Essen bestens bekannt.

 

Donnerstag, 19. Mai 2022

Dr. Markus Schwering (Leverkusen):
Goethe aus der Sicht von Marx und Engels

1865, also während seiner Londoner Exilzeit, trug Karl Marx, von seiner Tochter Jenny um eine entsprechende Auskunft gebeten, in deren Poesiealbum die Namen seiner Lieblingsdichter ein: Zu denen gehörte – neben Dante, Aischylos und Shakespeare – Goethe. Das erscheint vorderhand erklärungsbedürftig: Ausgerechnet Goethe als „Lieblingsdichter“ gerade dieses Philosophen? Immerhin hatten ihn die Jungdeutschen, denen Marx nahestand, als „Fürstenknecht“ verunglimpft. Tatsächlich tat Goethes politische Orientierung Marx‘ Bewunderung – wie der seines Freundes und Weggefährten Friedrich Engels – keinen Abbruch. Er schätzte er an jenem Eigenschaften, die mit dem „politischen“ Oberflächensinn seiner Dichtung wenig bis nichts zu tun hatten. Womit aber hatten sie zu tun? Offensichtlich sah Marx in Goethe eine satisfaktionsfähige Spielart dessen, was zu sein er auch für sich selbst in Anspruch nahm: die eines Epochenphysiognomikers des 19. Jahrhunderts.

 

Donnerstag, 9. Juni 2022

Prof. Dr. Guido Fuchs (Hildesheim):
„Man könnte dich ein Mädchen schelten …“ (Faust II). Der schöne Knabe in der Literatur

Mitten in der Kanonade bei Valmy hat Goethe eine besondere Erscheinung: Er sieht entzückt einen schönen Knaben, mit anmutigen Zügen, blondgelockt, noch keine dreizehn Jahre alt. Es ist der Fahnenjunker des Regiments der Kürassiere, Carl Emil von Bechtolsheim, den er aus Eisenach kennt. ("Kampagne in Frankreich" – 1822)
„Der schöne Knabe“ ist in der Literatur ein auffallend häufiger Topos – zugleich wird heute tunlichst vermieden, darüber zu sprechen. Guido Fuchs geht in seinem Vortrag diesem besonderen literarischen Motiv und seinen Hintergründen bei verschiedenen Schriftstellerinnen und Schriftstellern nach, speziell mit Blick auf Johann Wolfgang von Goethe.
Prof. Dr. Guido Fuchs ist kath. Theologe und befasst sich mit Fragen religiöser Alltagskultur. 2016 erhielt er einen Wissenschaftspreis für seine Arbeiten zur religiösen Kulinaristik. – Er hat auch verschiedene Bücher zur Literatur veröffentlicht, so 2014 die Anthologie „Tadzios Brüder. Der ‚schöne Knabe‘ in der Literatur“; „In der Bahnhofsgaststätte. Ein literarisches Menü in zwölf Gängen“ (2018), "Spitznamen. Ein literarischer Streifzug" (2022). Fuchs lehrte bis 2019 an der Universität Würzburg und wohnt in Hildesheim.

 

Donnerstag, 18. August 2022

Bernd Kemter (Gera):
Vom deutschen Publikum geringgeschätzt, von Goethe wohlwollend beurteilt: die polnische Romantik

Autoren slawischer Zunge haben es auch heutzutage noch gelegentlich schwer auf dem deutschen Büchermarkt. Wie galt dies erst zu Goethes Zeiten. Osteuropäische Dichter wurden kaum wahrgenommen, wenige rühmliche Ausnahmen sind in dieser Hinsicht ausgemacht, etwa Herders „Stimmen der Völker in Liedern“; eine Sammlung, die auch slawische Volkspoesie vereinte. Zu den wenigen deutschen Literaten, die sich osteuropäischen Dichtungen zuwandten, gehörte Goethe. Sein Interesse galt insbesondere der polnischen Romantik. Stieß ihn die deutsche Richtung entschieden ab, so akzeptierte er den andersartigen, nämlich national-patriotischen Charakter des nachbarlichen Ablegers. Er hat seine polnischen Schreibgenossen, allen voran Adam Mickiewicz (1798 – 1855), durchaus geschätzt und erfreute sich seinerseits deren regen Interesses. Sie ließen sich von den großen Werken Goethes zu eigenen Schöpfungen inspirieren, ohne in Epigonentum zu verfallen. Vergleiche zu „Werther“, „Faust“ und „Hermann und Dorothea“ beispielsweise zeitigen verblüffende Parallelen zu Mickiewiczs Drama „Dziady“ (Totenfeier) oder zum Poem „Wieslaw“ von Kazimierz Brodzinski (1791 – 1835). Der Vortrag folgt diesen literarischen Spuren. Er geht ebenso auf Besuche und Bekanntschaften Goethes mit polnischen Dichtern und weiteren prominenten Persönlichkeiten ein. Adam Mickiewicz und sein Dichterfreund Antoni Odyniec (1804 -1885) wurden sogar zum 80. Geburtstag Goethes im Haus am Frauenplan willkommen geheißen. Die Sympathie füreinander war augenscheinlich.

 

Donnerstag, 15. September 2022

Prof. Dr. Sabine Wienker-Piepho
"Ein fingerlanges Greisengeschlecht..."– Zur Mystik der Alraune in der Literatur
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Goethe besaß eine, ebenso Jeanne d'Arc, Shakespeare erwähnt sie, Heinrich Heine ebenso, Harry Potter lernt sie im Biologieunterricht auf Schloss Hogwarts kennen: die merkwürdige Pflanze Alraune, auch „Mandragora“ genannt. Anspielungs- und kenntnisreich spricht Goethe von einem "hohen Fund mit Hund", den die Menschen nicht begreifen: "Da stehen sie umher und staunen, vertrauen nicht dem hohen Fund. Der eine faselt von Alraunen, der andere von dem schwarzen Hund". Unter allen im Abendland bekannten magischen Pflanzen ist sie jedenfalls die mit dem „ältesten, unheimlichsten, zaubervollsten Ruf“. Der reich bebilderte Vortrag der Freiburger Erzählforscherin gibt Einblicke in die Erzähl-Traditionen, die ein ganz besonders kurioses Faszinosum umkreisen

 

Donnerstag, 20. Oktober 2022

Dr. Egon Freitag (Weimar):
»Tropftest Mäßigung dem heißen Blute«. Charlotte von Stein ‒ Goethes berühmte Geliebte

Goethe berichtete in einem Brief an Wieland: „Ich kann mir die Bedeutsamkeit – die Macht, die diese Frau über mich hat, anders nicht erklären als durch die Seelenwanderung.“ – Und er ergänzte: „Ja, wir waren einst Mann und Weib!“ Goethe nannte es „das reinste, schönste, wahrste Verhältnis, das ich außer zu meiner Schwester je zu einem Weibe gehabt habe.“
Charlotte von Stein wurde die ideale Lehrmeisterin für Goethe und führte ihn in das Leben bei Hofe ein. Nahezu 1700 Briefchen, Zettelchen und Billetts schrieb Goethe an die Geliebte, manchmal sogar mehrmals am Tag. Sein Werben um Charlotte, seine Sehnsucht, das heiße Verlangen nach der Geliebten, bewegten sich zwischen Hoffnung und Entsagung. Am 28. Januar 1776 gestand er ihr: „Du begreifst nicht, wie ich dich lieb hab.“ In der Anrede wechselte er zwischen »Sie« und »Du«, obwohl sie ihm diese Vertraulichkeit lange verwehrt hatte.
Goethe widmete Charlotte von Stein mehrere Gedichte, z. B. „An Lida“, „Jägers Nachtlied“ (späterer Titel „Jägers Abendlied“), „An den Mond“, „Rastlose Liebe“, „Zwischen beiden Welten“ und „Warum gabst du uns die tiefen Blicke“.

 

Donnerstag, 17. November 2022

Prof. Dr. Christoph Cremer (Heidelberg):
Vom Homunculus zu ALEXA - Zu Geschichte und Perspektiven der Künstlichen Intelligenz

Nach der Aussage eines Pioniers der KI geht es bei der Künstlichen Intelligenz darum „Maschinen dazu zu bringen, Dinge zu tun, die – würden sie von Menschen vollbracht – Intelligenz erfordern“. Inzwischen begegnen wir der KI täglich, vom Wetterbericht bis zum Smartphone. Über Künstliche Intelligenz wird jedoch nicht erst seit der Erfindung des Computers nachgedacht; schon in der Antike wurden von Göttern verfertigte „KI“-Systeme beschrieben, und der Homunculus in Goethes „Faust“-Dichtung hat Eigenschaften einer biologisch inspirierten Künstlichen Intelligenz. Ausgehend von dessen Synthese im Labor von Dr. Wagner und einer kritischen Würdigung der Möglichkeiten der Entwicklung einer künstlichen Intelligenz auf organischer Grundlage geht es in dem Vortrag von Prof. Cremer um die Geschichte der Computer-gestützten KI, deren heute bereits etablierte Anwendungsgebiete und die sich abzeichnenden Zukunftsperspektiven, insbesondere im Bereich der biomedizinischen Forschung und des Gesundheitswesens.

...über die weiteren, einzelnen Veranstaltungen werden zeitnah Informationen verfügbar sein.


 


 
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