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Vorträge 2020

Die Veranstaltungen finden, sofern nicht anders angegeben, in der "Heldenbar" des Grillo-Theaters, Theaterplatz 11, jeweils um 19.30 Uhr statt. Der Eintritt ist in der Regel frei.

Donnerstag, 23.9.2021
Prof. Dr. Uwe Hentschel (Chemnitz)

„Die Utopie von der vernünftigen Lust. Zur erotischen Literatur des 18. Jahrhunderts“

Wie schwierig es im Jahrhundert der Aufklärung war, sich öffentlich zu einer hedonistischen Erotik zu bekennen, zeigen beispielhaft die Gedichte des Königsberger Kriegs- und Steuerrates Johann Georg Scheffner (1736–1820). Einerseits bringen Scheffners Texte sexuelles Begehren offen und unverbrämt zur Anschauung, andererseits betrieb er zugleich einen immensen Aufwand, um als Autor unerkannt zu bleiben. Bezeichnend auch die Rezeption seiner Gedichte: So sind sie für Christoph Martin Wieland, der uns heute durch seine verspielte Rokoko-Erotik bekannt ist, „ekelhafte Obszönitäten“.

Der Referent, Professor für Germanistik in Chemnitz, zeigt diesen zentralen Widerspruch der Aufklärungszeit auf: Einerseits soll die Sexualität als elementares Bedürfnis anerkannt werden, andererseits muss eben dieses Verlangen in der Öffentlichkeit verborgen bleiben.


Donnerstag, 28.10.2021
Dr. Heiko Postma (Hannover):

„Die Fortsetzung folgt…“ – Friedrich Schiller und sein Roman «Der Geisterseher»

Ein morbides Venedig, eine abgefeimte Verschwörung, ein unheimlicher Agent, ein eiskalt operierender Geheimbund – das sind die Themen von Schillers einzigem Roman, der in Fortsetzungen zwischen 1787 und 1789 erschien. Mit seinen «Cliffhangern» ist «Der Geister-seher» nicht nur zum Urbild des deutschen Schauerromans geworden, sondern zeigt auch die Nöte eines Dichters, der sich gerne ganz der «Klassik» widmen möchte, aber aus Geldnot auch in die Niederungen der Abenteuerliteratur absteigen muss.

Der Autor und Publizist Postma ist durch seine originellen Veröffentlichungen und Rundfunkbeiträge bekannt. Wir erinnern uns gerne an seinen gehalt- und humorvollen Vortrag über Goethes «Adlatus» Johann Peter Eckermann.


Donnerstag, 25.11.2021
Prof. Dr. Peter-André Alt (Berlin)

„Spiel, Vorspiel, Endspiel. Zu Goethes «Faust»-Prolog“

Goethes «Faust»-Prolog ist ein Stück Literatur, wie es komplexer und dichter kaum ge­dacht werden kann. Er umfasst eine Vielzahl von Gattungen, zwischen denen er sou­verän changiert. Die antike Tragödie ist in ihm ebenso präsent wie das mittelalterliche Mysterienspiel und das moderne Trauerspiel. Seine poetischen Funktionen stehen der Vielfalt der poetischen Formen in nichts nach. Der «Faust»-Prolog fragt nach dem Vor­rang des göttlichen Prinzips in der Welt, nach der Rolle des Bösen in ihr und dem Wettstreit zwischen beiden Mächten.

Der Vortrag wird den Prolog unter den hier genannten Aspekten untersuchen und auf diese Weise in die Tiefenstrukturen des «Faust»-Dramas einführen. Die Wette zwischen Gott und Teufel wird dabei ebenso betrachtet wie die Rolle des Theaters für das Spiel, das der Prolog in letzter Instanz bedeutet. Am Schluss steht ein Blick auf «Faust II» und das Finale der Tragödie im Zeichen von Erlösung und schwierigem Sieg des Guten.

Prof. Alt, Germanist an der FU Berlin, ist seit 2018 Präsident der Hochschulrektorenkonferenz.


 
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