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Vorträge 2017

Die Veranstaltungen finden, sofern nicht anders angegeben, in der "Heldenbar" des Grillo-Theaters, Theaterplatz 11, jeweils um 19.30 Uhr statt. Der Eintritt ist in der Regel frei.

Donnerstag, 9. Februar 2017

Prof. Dr. Volkmar Hansen (ehemaliger Direktor des Goethe-Museums Düsseldorf):

Flucht und Vertreibung bei Goethe

1792, mit der Kriegserklärung Frankreichs, beginnen 23 Jahre europäischer Abwehr von Revolution und Napoleon. Die Kriegserlebnisse am Rhein, an denen Goethe aktiv beteiligt ist, schildert er dreißig Jahre später autobiographisch in der Campagne in Frankreich und der Belagerung von Mainz, jedoch unmittelbar,  in patriotischer Absicht,  fließen seine Erfahrungen in den Erzählzyklus Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten, spiegelnd den Winter 1792/93, und die bürgerliche Idylle Hermann und Dorothea, spiegelnd den August 1796, ein. Um nicht zu einem Unglücksboten zu werden, gibt er seine Rolle als politischer Intellektueller danach bis zur Befreiung 1814 auf.


Donnerstag, 9. März 2017

Dr. Bertold Heizmann (Essen):

«Eigentlich ein Hund, dieser Goethe».
Gottfried Benn zwischen Ablehnung und Verehrung Goethes

In einer Nachbemerkung zu seinem Aufsatz Goethe und die Naturwissenschaften schreibt Benn, er habe sich dem Thema «weder als professioneller Philosoph noch Biologe noch Goetheforscher» zuwenden können, sondern habe Goethe «nur als Erleber und darstellender Schriftsteller gerecht zu werden» versucht. Eben diese Rolle als «Erleber» macht die Besonderheit der schillernden Rezeption Goethes durch Benn aus. Immer wieder rechnet Benn zynisch, empört, gallig mit Goethes «Geheimratsbehaglichkeit» ab (wozu auch dessen Lebensführung gehört) – und doch ist er fasziniert von Goethes Sinn für Würde und Maß und dessen Abstand von Zeitereignissen. Hierin sieht Benn einen Selbstschutz – und diese Einstellung des Künstlers nimmt auch er für sich selbst in Anspruch. So ist Benns intensive Auseinandersetzung mit Goethe auch ein stets Ringen um sein dichterisches und persönliches Selbstverständnis.


Donnerstag, 27. April 2017

Prof. Dr. Alexander Košenina (Hannover):

Rinaldo Rinaldini und Konsorten. Andere ‚Klassiker‘ der Goethezeit

Was haben die Deutschen wirklich gelesen, während ihre Klassiker schrieben? Der Renner war zweifellos die Räuberpistole von Goethes Schwager Vulpius. Und auf der Bühne triumphierten die Stücke von Iffland und Kotzebue. Wer also etwas über die ‹wahren› Verhältnisse der Zeit erfahren will, wird hier fündig – und nicht in Schillers oder Goethes klassischen Dramen.

«Ende des achtzehnten Jahrhunderts hielten die meisten Menschen Vulpius, den Verfasser des Rinaldo Rinaldini, für einen größeren Dichter als seinen Schwager Goethe.»
Egon Friedell


Donnerstag, 18. Mai 2017

Dr. Dieter Strauss (München):

Julia da Silva Bruhns – die starke Brasilianerin hinter der Schriftstellerfamilie Mann

Dass die Mutter Thomas und Heinrich Manns Brasilianerin war und 1851 mitten im Urwald bei Rio de Janeiro geboren wurde, wissen selbst manche Germanisten nicht. Ihr Weg führte vom «Glück in den Tropen» in das – für Thomas Mann – «mittelalterliche Lübeck» und die Ehe mit dem Finanzsenator Mann und endete nach dem frühen Tod des Senators 1891 mit ihrer Befreiung in die Bohèmestadt München. Ein Leben zwischen den Kulturen, das für das spätere Exil und Weltbürgertum ihrer Schriftstellersöhne Heinrich und Thomas sowie für dessen Künstlerkinder prägend war. – Es werden ihre drei Lebensetappen in Brasilien, Lübeck und München besprochen, ferner ihr Einfluss auf das literarische Werk ihrer Söhne Thomas und Heinrich.
Dr. Dieter Strauss leitete die Goethe-Institute in Santiago de Chile und in São Paulo.


Donnerstag, 29. Juni 2017

Prof. Dr. Jörg Wesche (Essen):

Schwierige Geschichte. Bilder der Frühen Neuzeit in Goethes Werk

«Im Sinne des Mittelalters» - So überschreibt Goethe die berühmte Laboratoriums-Szene im zweiten Teil seines Faust. Gegeben ist damit ein historisch anachronistisches Stichwort, wenn man heute beim 16. Jh., in dem der Stoff mit Faust-Historia (1587) verwurzelt ist, von der «Frühen Neuzeit» spricht.

Prof. Wesche ist Germanist an der Universität Duisburg-Essen und Mitglied der Goethe-Gesellschaft Augsburg.


Donnerstag, 7. September 2017

Hartmut Heinze, M.A. (Berlin)

Goethe und 1001 Nacht

Goethe hat sich lebenslang mit der orientalischen Märchenwelt beschäftigt. „1001 Nacht“ gehört zu den wenigen Lieblingsbüchern, aus denen sich Goethe immer wieder Anregungen für sein Schaffen holte. Viele Motive, Situationen, ganze Handlungsabläufe sind ohne den Einfluss der Scheherasade undenkbar. Dies gilt v.a. für die Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten, Wilhelm Meister, die Novelle und insbesondere für Faust II (1.-3. Akt).
Hartmut Heinze ist uns durch seine von profunder Kenntnis zeugenden Vorträge, etwa über den Westöstlichen Divan oder über den Maler Friedrich Bury, bestens bekannt.


Donnerstag, 12. Oktober 2017

Martin Blum (Görlitz / Ingolstadt)

«Frei wie Wolken, fühlt was Leben sei!»
Wolken als Sinnbild bei Goethe

«Der Kopf gleitet in den Nacken. Der Blick steigt himmelwärts. Wir sehen, nein, keine Sonne, keinen Mond, keine Sterne und auch keine Nordlichter. Was wir erblicken sind Wolken. Um genau zu sein handelt es sich um Lyrikwolken. […] ‹Romantisch› ausgedrückt: Goethe hat die Lyrikwolken mit seinem großen poetischen Atem an den blauen Himmel gepustet. Danach blies er sie vom Firmament, gab ihnen formvollendete Gestalt, um sie schließlich gehaltvoll auf das Papier zu übertragen. Lyrikwolken wurden Wolkenlyrik. Goethe war ein Wolkenpoet.»
(Auszug aus dem Essay, mit dem Martin Blum 2015 den Essaywettbewerb der Goethe-Gesellschaft Weimar gewann.)


Donnerstag, 16. November 2017

Dr. Egon Freitag (Weimar):

«Die Göttin der Schönheit sollte gar keine Falten haben».
Wieland als erotischer Schriftsteller

Christoph Martin Wieland, der erste deutsche Shakespeare-Übersetzer und Verfasser des Agathon und des Oberon, erwarb sich auch bleibende Verdienste als Autor erotischer Verserzählun­gen und Befürworter einer natürlichen Sinnlichkeit. Es war vor allem der erotische Reiz, die Anmut und Leichtigkeit seines Stils, wodurch Wieland ein Bestseller-Autor des 18. Jahrhunderts wurde. - Erfrischend heiter wirken seine Verse noch heute, wie z.B.: «Ein Busen reizt, der, jugendlich gebläht, / Die Augen blend’t und niemals stille steht».
Dieser Silbentanz gefiel auch dem jungen Goethe. Dieser konnte es gar nicht erwarten, bis diese Verserzählung erschienen war, sondern er verschlang die vergnüglichen Verse bereits in den Aushängebögen. Ja, Goethe lernte – wie er berichtet – sogar «jedes Blatt davon auswendig».
Egon Freitag ist Verfasser einer Wieland-Biographie sowie des Büchleins «Wieland zum Vergnügen».


 
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