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Sonntag, 10. Januar 2016, 17.00 Uhr

Festliches Konzert zum Jahresauftakt
Neujahrsempfang zur feierlichen Begründung
der Kooperation zwischen dem
ChorForum Essen und der
Goethe-Gesellschaft Essen e.V.

Kantanten und Sonaten von G. F. Telemann und J. S. Bach

Besetzung:
Katharina Borsch - Sopran
Salome Hügen – Blockflöte
Tobias Sykora – Violoncello
Alexander Eberle – Orgelpositiv & Cembalo


Donnerstag, 28. Januar 2016

18.00 Uhr - Ort: ChorForum Essen, Fischerstr. 2-4

Jahreshauptversammlung der Goethe-Gesellschaft Essen e.V.

Hierzu wird noch gesondert eingeladen

Im Anschluss (19.30 Uhr):

Vortrag von Prof. Dr. Helmut Schanze
(Aachen) über «Goethe und die Musik»

Donnerstag, 28. Januar 2016

Prof. Dr. Helmut Schanze (Aachen):

«Das Musikalisch-Hörbare» - Goethe und die Musik
Unausrottbar scheint das Vorurteil, dass Goethe von Musik wenig verstanden habe. Dass er von Mozarts Musikalität bis ins höchste Alter förmlich deprimiert war, dass er den überaus schwierigen Beethoven über Tage in Teplitz ausgehalten hat, dass er nicht antwortete, als Franz Schubert um Protektion der Publikation der Kompositionen seiner Lieder bat – alles dies hat Goethes notorisches Unverständnis der Musik eher besiegelt als widerlegt. Seine hoch musikalische Dichtung, exemplarisch in seiner Lyrik, bis zum «Hauptgeschäft», dem Faust, aber beweist das Gegenteil. Goethe stellt eine Theorie des «Musikalisch-Hörbaren», der «Taten und Leiden» des Klangs auf. Sein Versuch, die musikalischen Wirkungen zu beschreiben, scheint durch den romantischen «Mythos Musik» und die Autonomieästhetik um 1800 als überholt. Seine Frage aber, wie auch seine poetischen Antworten, was und wie wir mit unserem sensibelsten Organ, dem «Ohr», «Töne» produktiv als «Musik» wahrnehmen, sind bis heute aktuell. 


Donnerstag, 10. März 2016

Dr. Helmut Förster / Dr. Bertold Heizmann (Essen):

«Gottlob! Der Hermann gewann die Schlacht…»
Die Varusschlacht – Geschichte und Mythos

Die Varus- oder Hermannschlacht bewegt seit 2000 Jahren die Gemüter. Es gibt einige verlässliche Daten, aber darüber hinaus eine Unzahl von Spekulationen und Theorien. Der Frage, wo und wie die Schlacht stattfand, geht Helmut Förster mit Hilfe neuerer – auch privater – akribischer Forschungen nach. Einen literaturhistorischen Hinweis liefert sodann die altnordische Edda, aus der wir einen überraschenden Zusammenhang zwischen dem Arminius- und dem Siegfried-Mythos entnehmen können – und zwar Jahrhunderte vor der von Heine bespöttelten nationalistischen Ausbeutung des Themas im 19. Jahrhundert. Mit diesem Zusammenhang lassen sich Schauplatz und Ablauf der Varusschlacht weiter eingrenzen.


Donnerstag, 7. April 2016
Prof. Dr. Sabine Wienker-Piepho (Jena/Zürich):

Goethes «Märchen» – ein Volksmärchen?

In diesem Vortrag soll Goethes Kunstmärchen auch einmal auf der Folie der Volksmärchendefinitionen vermessen werden: gibt es Gemeinsamkeiten, und wo liegen die Unterschiede? Die Referentin (Dozentin für historisch-vergleichende volkskundliche Erzählforschung an den Universitäten Jena und Zürich) zeigt, inwieweit Goethe populäre Motive aufgegriffen und wie er sie verändert hat. Sein viel interpretierter, aber immer noch rätselhafter Text, der bis heute Vielen zu ‹künstlich› und absichtsvoll mystifizierend vorkommt und zu wirklich «verwegenen Exegesen» geführt hat, wird so in einen neuen Diskurs gesetzt und zugänglich gemacht.

(Es empfiehlt sich, den Text vorher zu lesen.)


Wir weisen noch darauf hin, dass sich bei den Terminangaben ein Fehler eingeschlichen hat. Der Vortrag von Dr. Fabian Wolbring über "Rap" findet nicht, wie angezeigt, am 12. Mai, sondern am 19. Mai, also eine Woche später, statt. Wir bitten um Beachtung.

Donnerstag, 19. Mai 2016


Dr. Fabian Wolbring (Essen):

«Rap meets Goethe».  Über Sinn und Unsinn von Rap-Adaptionen klassischer Gedichte im Deutschunterricht

Rap ist die populärste und einflussreichste Lyrikform der Gegenwart und erfreut sich gerade unter Schülerinnen und Schülern größter Beliebtheit. Zunehmend versucht die Schule, diese Rap-Begeisterung als Motivationshilfe nutzbar zu machen, so dass unter dem Stichwort Rapucation bereits eine Vielzahl didaktischer Konzepte und Materialen entwickelt wurde, durch die Schulinhalte eine «coole Rap-Ästhetik» gewinnen sollen. Hierzu zählen auch Rap-Adaptionen bzw. Remixe kanonischer Gedichte.

Der Vortrag nimmt nun exemplarisch einige «Goethe-Raps» unter die Lupe und fragt dabei (mit aller gebotenen Skepsis): Taugt der ‹Dichterfürst› auch als Rapper?


Donnerstag, 9. Juni 2016

Prof. Dr. Christoph Wingertszahn (Direktor des Goethe-Museums, Düsseldorf):

«Er ist wie ein jüngerer Bruder von mir» - Goethe und Karl Philipp Moritz

Zu den wenigen zeitgenössischen Schriftstellern, die Goethe vorbehaltlos schätzte, gehörte der vielseitige Karl Philipp Moritz (1756-1793). In einer erstaunlichen Äußerung würdigte der Weimarer Klassiker den Jüngeren als einen engen Geistesverwandten: Moritz «ist wie ein jüngerer Bruder von mir, von derselben Art, nur da vom Schicksal verwahrlost und beschädigt, wo ich begünstigt und vorgezogen bin» (Goethe am 14. Dezember 1786 an Charlotte von Stein). Moritz seinerseits verehrte Goethe als Leitstern; beide Denker arbeiteten zur gleichen Zeit an einer ähnlichen Ästhetik und beeinflussten sich gegenseitig. Durch Goethes Vermittlung gelangte Moritz als Professor an die Berliner Akademie der Künste; der enge Austausch zwischen Berlin und Weimar ist im Briefwechsel der beiden Autoren dokumentiert. Der Vortrag beleuchtet die Parallelviten der beiden verwandten und doch auch verschiedenen Schriftsteller.


Donnerstag, 7. Juli 2016

Barbara Kiem (Freiburg i. Br.):

„Ihr kommet, Winde, fern herüber ...“ –
Von Harfen und Äolsharfen – ein literarisch-musikalischer Bilderbogen

Wie die Harfe, so ist auch die Äolsharfe mit uralten Traditionen verbunden. In vielen Kulturen kannte man das Phänomen, dass Instrumente ohne menschliches Einwirken zu tönen beginnen. Wenn der Lufthauch über die Saiten streicht, klingt die Harfe auf, wie von Geisterhänden berührt. Im Rauschen der Äolsharfen meinte man, überirdische Stimmen zu vernehmen.– In Europa wurde die Windharfe im 18. Jahrhundert wieder entdeckt. Sie verbreitete sich zunächst in England und gehörte bald zum beliebten Requisit der Landschafts­gärten.
Zum Ende des Jahrhunderts erreichte diese Mode auch Frankreich und Deutschland. Alle gebildeten Gesellschaftsschichten gaben sich diesem Gefühlskult hin. Beson­ders von den Dichtern, auch von Goethe, wurde die Äolsharfe als symbolträchtiges Motiv gefeiert und je nach Weltanschauung unterschiedlich gedeutet.


Donnerstag, 8. September 2016

Prof. Dr. Volker Harlan (Ottersberg / Witten-Herdecke):

Esoterischer Buddhismus, Goethes Welt-Anschauung,
exakte Naturwissenschaften.

Der Referent zeigt drei Wege auf, sich der Wirklichkeit zu nähern.
Ostasiatische Kulturen haben eine lebendige animistische Tradition, die in verschiedenen täglichen Ritualen mit Rauch oder Feuer, mit Blumen und Früchten gepflegt wird. Denn: Alles ist voll von Göttern! Für die westliche Welt liegen die Ursachen aller Erscheinungen im Untersinnlichen: In elektroschwachen und starken Wechselwirkungen. Alles ist Materie oder Energie, mittels derer eine neue seelenlose synthetische Kunst-Stoff-Welt geschaffen wird. Goethe riet: Man suche nur nichts hinter den Phänomenen, sie selbst sind die Lehre. Er suchte mit zarter Empirie Begegnung mit der Welt der Sinne und ordnete Phänomene in Reihen zu Urphänomenen. So kam er zu geistigen Erfahrungen, die nicht auf Glauben basieren, sondern auf Anschauung. Erst die Synthese dieser drei Welt-Anschauungen würde wohl der Wirklichkeit und dem ganzen Menschen gerecht



Zeichnung von Helmut Förster
voraussichtlich 23.-25. September 2016:

Exkursion


Thüringen (Pößneck / Großkochberg)



Ein «nahrhaftes Städtchen», so nannte Goethe Pößneck, als er 1795 zum ersten Mal (und dann weitere 17 Male) in Pößneck weilte. Die Legende sagt, dass Pößneck der Ort ist, in dem das Epos «Hermann und Dorothea» spielt.

Geplant ist ein Halbtagesausflug in das nahe gelegene Schloss Großkochberg (das vom «voritalienischen» Goethe so gern besuchte Schloss der Frau von Stein) mit seinem wunderschönen Liebhabertheater.


Donnerstag, 6. Oktober 2016


Dr. Letizia Mancino (Heidelberg)

Die Katze in Goethes Bett (Lesung)

Die Römerin Letizia Mancino ist promovierte Architektin, Malerin mit zahlreichen Ausstellungen, zugleich Vorsitzende der Goethe-Gesellschaft Heidelberg. Ihre Katzenbilder sind auf www.letizia-mancino.eu zu bewundern. Heute stellt sie ihr heiter-ironisches Buch «Die Katze in Goethes Bett – Goethes schwierigste Liebesbeziehung in Rom» vor.

Aus dem Vorwort von Prof. Volkmar Hansen (ehem. Direktor des Goethe-Museums, Düsseldorf):
«Bin ich eben noch ganz sicher, daß wir einen authentischen Goethe-Text vor uns haben, dann schmuggelt sie [Letizia Mancino] schon ihre mutwillige Fortschreibung unter, schafft ihr eigenes Programm an Dichtung und Wahrheit […]. Für sie ist die artistische Täuschung ein Katzensprung – uns bleiben die Kratzer des Vexierspiels».


Donnerstag, 10. November 2016

«Und minder ist oft mehr»
Öffentliche Aufführung des Renaissance-Theaters, Berlin

In einer kalten Februarnacht des Jahres 1807 sitzt der große deutsche Dichter Christoph Martin Wieland am Fenster und starrt hinaus in das Schneetreiben über der Stadt Weimar. Seine Cousine und Lebensfreundin Sophie La Roche ist im fernen Offenbach zu Grabe getragen worden. Unter dem Eindruck dieses Verlustes beginnt Wieland einen stummen Dialog mit der Toten. Voller Wehmut und Dankbarkeit lässt er die wichtigen Stationen seines Lebens vor dem inneren Auge Revue passieren. Erste Erfolge als Dichter und Shakespeare-Übersetzer, Rivalität und spätere Freundschaft mit dem originellen Johann Wolfgang von Goethe und dem Heißsporn Schiller, dazwischen die schmerzhaften und die erfüllten Liebesgeschichten eines langen Lebens.

Autorin: Vicki Spindler; Darsteller: Jens-Uwe Bogattke


Mittwoch, 4. Februar 2015

Barbara Kiem (Freiburg i. Br.):
Die reizende Symmetrie von Widersprüchen – Über die Arabeske in den Künsten

Die leichte, spielerische Arabeske – eigentlich ein Begriff aus der bildenden Kunst – weist auf die Manier hin, mit stilisierten Blatt- und Blumenranken Rahmenleisten von Gemälden auszuzieren. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wird das Arabeskenhafte als eine Ausdrucksmöglichkeit der uneingeschränkten Fantasie entdeckt. Friedrich Schlegel, Novalis, Tieck oder Brentano erheben die Arabeske sogar zum zentralen ästhetischen Modell. Die Frühromantiker wollen die Grenzen und Regeln der einzelnen Künste überschreiten. Barbara Kiem ist durch zahlreiche Veröffentlichungen und Radio-Features zur Musik-, Kunst- und Literaturgeschichte hervorgetreten.

Mittwoch, 11. März 2015

18.00 Uhr, Bürgermeisterhaus, Essen-Werden, Heckstraße 105

Jahreshauptversammlung der Goethe-Gesellschaft Essen e.V.

Hierzu wird noch gesondert eingeladen.

Mittwoch, 11. März 2015

Offene Veranstaltung im Bürgermeisterhaus
(19.30 Uhr, im Anschluss an die Jahreshauptversammlung)

Bernd Kemter / Cornelius Hermann (Gera):
«Liebreitzende, item bösartige Frauenzimmer am Weimarer Hofe».

Heiteres literarisch-musikalisches Programm Bernd Kemter, Autor, Schauspieler und zugleich Vorsitzender der Goethe-Gesellschaft Gera, führt, zusammen mit seinem Partner Cornelius Hermann (Cello), der 36 Jahre lang bei den Salzburger Festspielen mitwirkte, ein heiteres literarisch-musikalisches Stück «Liebreitzende, item bösartige Frauenzimmer am Weimarer Hof» auf. Augenzwinkernd plaudert Bernd Kemter in der Rolle des Kammerherrn Melchior von Stollberg über allerlei Liebes- und Ehenöte sowie amouröse Abenteuer aus der damaligen höheren Gesellschaft. 

Mittwoch, 15. April 2015

André Eisermann, Träger des Bundesfilmpreises («Kaspar Hauser», «Schlafes Bruder» usw.):
GOETHE-WERTHER-EISERMANN
Szenisch-literarisches Programm.
In Verbindung mit dem Grashof- und dem Goethe-Gymnasium, Essen.
Ort: Grashof-Gymnasium, Grashofstr. 55-57, 45133 Essen

Hierzu wird noch gesondert eingeladen.

Mittwoch, 22. April 2015

Hartmut Schmidt (Museumsdirektor a.D., Wetzlar):
«…Wenn sie mich an sich lockte/ War Rede nicht im Brauch…»
Goethe über Reden und Schweigen

Es sind nicht nur die intimen Momente, in denen das Reden in Goethes Dichtung verstummt und das Schweigen beredt wird. Die Pole von Reden und Schweigen umschließen eine Fülle von Nuancen der Mitteilung oder ihres Gegenteils in ebenso vielen unterschiedlichen Lebenssituationen. Das leichte Parlieren in Gesellschaft hat sein Recht, und taktvoll zu schweigen kann tröstlich und heilsam sein. Mit dem Schweigen verschwägert ist das Geheimnis, mit dem Reden der Verrat.

Einen herausragenden Aspekt des Sprechens und der Sprache bei Goethe ins Bewusstsein zu heben ist das Ziel des Vortrags.

Mittwoch, 27. Mai 2015

Christian Liedtke, M.A. (Heinrich-Heine-Institut, Düsseldorf)
«Das Bier in Weimar war wirklich gut». Heine und Goethe

Als «der große Heide Nr. 2», wie er sich selbst einmal nannte, stellte Heinrich Heine sich in die Nachfolge Goethes – zugleich aber kritisierte er die politische Indifferenz und «Kunstbehaglichkeit» des Vorbildes, das nach seiner Ansicht nicht in die moderne Zeit des «Ideenkampfes» passte. Zwischen diesen beiden Polen bewegte sich die lebenslange Auseinandersetzung Heines mit Goethe, die der «Dichter der Liebe der Revolution» manchmal polemisch, manchmal poetisch, aber immer originell und produktiv führte.

Mittwoch, 24. Juni 2015

Prof. Dr. Ludolf von Mackensen (Kassel):
Alchemistische und rosenkreuzerische Impulse in Goethes Leben und Werk

Der Vortrag geht der aufschlussreichen Frage nach, ob und inwiefern Goethe in seinem Leben, seinen Werken und seiner Naturforschung von alchemistisch-hermetischen Gedanken geleitet war. Die Alchemie und das rosenkreuzerische Ideengut erweisen sich dabei als ein wesentlicher, weithin noch zu wenig erkannter Bestandteil von Goethes spiritueller hintergründiger Weltsicht und Inspiration, ohne die sein Werk und seine Kreativität nicht tiefer zu verstehen sind. Eine Weltauffassung, mit der er in «in Geheimnissen wandelte» und auch eigene Geheimnisse bewusst verbarg.

Mittwoch, 23. September 2015

Dr. Wolfgang Pollert (Augsburg):
Das Geld in Goethes Dichtung und Politik

Über den täglichen persönlichen Umgang hinaus spielte das Geld für Goethe auf zwei weiteren Ebenen eine Rolle: in seiner Dichtung sowie in seiner amtlichen Tätigkeit im Weimarer Staatsdienst. Wolfgang Pollert, der über Goethes Amtliche Schriften promoviert hat, geht diesem Komplex in mehreren Schritten auf den Grund: Das Geld in Goethes Privatleben, Goethes ökonomisches Wissen, Das Geld und die Steuern in Goethes literarischem Werk (insbesondere im «Faust») und Goethe und die Staatsfinanzen. Dr. Pollert ist Vorstandsmitglied der Augsburger Goethe-Gesellschaft.

Mittwoch, 28. Oktober 2015

Dr. Christoph Michel (Freiburg i. Br.):
Goethes «Mondscheine»

Trotz aller Reverenz vor dem «Prachterscheinen» des Tagesgestirns Sonne war Goethe lebenslang stärker von der suggestiven Macht des Mondes fasziniert; davon legt nicht nur sein poetisches, sondern deutlicher noch sein bildkünstlerisches Werk Zeugnis ab. Mit diesem vor allem beschäftigt sich der Vortrag, der anhand ausgewählter Bilder (korreliert mit Texten Goethes) Wandlungen der «Valeurs» in Goethes Darstellung des Mondes aufzeigt: von den ‘empfindsamen’, durch die Liebe zu Frau von Stein tingierten, intimen Bilder des ersten Weimarer Jahrzehnts über die theatralischen Inszenierungen der italienischen Mondlandschaften, den an exakt physikalischen Wiedergaben des Phänomens Mondlicht interessierten nachitalienischen Zeichnungen bis hin zu den symbolischen Monddarstellungen im Zeichen der ‹Aussöhnung› der Gestirne in der neuen Liebes-Konstellation in der «Divan-Zeit».

Mittwoch, 25. November 2015

Dr. Nikolaus Gatter (Köln):
«Goldkörner» oder «Kehricht»? Wenn Briefe Literatur werden

Dass der Briefwechsel zwischen Goethe und Schiller zur Weltliteratur gehört, ist heute unbestritten. Nichtsdestoweniger war die Resonanz im 19. Jahrhundert sehr unterschiedlich: Wolfgang Menzel sprach von «Kehricht» (Wen interessiert schon der Hasenbraten, den Goethe an Frau von Stein geschickt hat?), Varnhagen dagegen sah in den Briefen «ein Ganzes der Literatur und des Lebens», ein «Kalifornien», in dem sich «immer neue Goldkörner» finden. Ausgehend von diesem Mu-sterfall geht der Vortrag auf die ethische Be- oder meistens Verurteilung der Briefliteratur des 19. Jahrhunderts ein. Editionen aus Briefmappen verstorbener Zeitgenossen kamen im 19. Jahrhundert in Mode und sind seit jeher heftig umstritten.
Nikolaus Gatter, Vorsitzender der Varnhagen-Gesellschaft, Köln, ist uns durch seinen «Salon»-Vortrag vor zwei Jahren noch bestens bekannt.

Mittwoch, 19. November 2014

Prof. Dr. Volker Dörr (Düsseldorf):
«Gründliche Kenntnis» für das «edelste Publikum».
Zum Verhältnis von Natur und Kunst in Goethes ‹klassischer› Ästhetik

Auch Goethe nutzte gesellschaftliche Zusammenkünfte für gemeinsame Bildungserlebnisse, vor allem im Blick auf Natur und Kunst. Ausgehend von der von ihm begründeten Freitagsgesellschaft, beleuchtet der Vortrag die Vorstellungen des Verhältnisses von Natur und Kunst, die Goethe in seiner ‹klassischen› Phase vertreten hat, und fragt dabei auch nach der Rolle des Publikums: der Teilnehmer an der Freitagsgesellschaft ebenso wie der Leser, etwa seiner Zeitschrift «Propyläen». Diese Beobachtungen erlauben schließlich Rückschlüsse auf Goethes Verhältnis zur frühromantischen Ästhetik.

Mittwoch, 24.September 2014

Prof. Dr. Jochen Vogt (Essen / Duke University, Durham NC)
Minimalprogramm der Poesie? Oder: Eine Mütze ist eine Mütze. Zu Günter Eichs Epochengedicht
«Inventur»

Kaum ein Gedicht der deutschen Nachkriegsliteratur ist so oft zitiert und intensiv analysiert worden wie Eichs «Inventur» (1945/46) (wenn man von Paul Celans gleichzeitig entstandener «Todesfuge» absieht, die in einem mehrfachen Kontrastverhältnis zu Eichs Text steht). Durchgängig wurde «Inventur» als authentischer Ausdruck einer kollektiven Erfahrung (Krieg und Gefangenschaft) und als Dokument einer ‹neuen›, womöglich unbelasteten, jedenfalls kargen Sprache und einer minimalistischen Poesie und Poetik verstanden, oft auch gefeiert. In diesen 28 knappen, fast bild- und reimlosen Versen schien sich das Lebensgefühl des Nachkriegs, also der sogenannten «Stunde Null» oder des «Kahlschlags», idealtypisch auszusprechen.

Die Fülle der Deutungen hat einige Charakteristika dieses Textes verdeckt, die zu einer Neubewertung beitragen können. Um dies zu zeigen, geht der Referent einerseits dem zeithistorischen und biografischen Aspekt nach, der uns in ein berüchtigtes US-Kriegsgefangenenlager bei Sinzig am Rhein führt, und untersucht andererseits die kunstvoll verborgene poetische Faktur des scheinbar so kunstlosen Textes. Denn auch hier gilt der Satz des Klassikers: «Die Form ist ein Geheimnis den meisten».

Mittwoch, 27.August 2014

Dr. Bernhard Viel (Berlin /München):
Egon Friedell, der geniale Dilettant

Als Hitler im März 1938 in Wien einmarschierte, stürzte sich Egon Friedell aus dem Fenster seiner Wohnung – wäre sein Tod nicht von so beklemmenden Umständen überschattet, ließe sich Frie-dells Ende als tragisch-skurrile Inszenierung betrachten, die er selbst zu schätzen gewusst hätte. Mit seiner legendären Kulturgeschichte der Neuzeit hatte sich der Wiener Schriftsteller und Schauspieler einen ersten Platz im Pantheon der Kulturphilosophie erobert. Stilistisch durchfeilt und mit Sprachwitz gesättigt, bestrickt das zwischen 1927 und 1931 erschienene Werk durch den eigenwilligen Blick, mit dem der Autor die Entwicklung Europas zwischen Schwarzer Pest und Erstem Weltkrieg durchleuchtet. Bernhard Viel (2001 mit dem «Berliner Preis für Literaturkritik» ausgezeichnet) liest aus seiner Biographie, die in ebenso spannender wie unterhaltsamer Spurensuche erstmalig zeigt, dass die eigentliche Leistung Friedells ein Leben bildete, in dem Literatur, Bühne und Alltag sich zu einem virtuos inszenierten Gesamtkunstwerk fügen.

Mittwoch, 4. Juni 2014

Hartmut Heinze M.A. (Berlin):
«Vermächtnis altpersischen Glaubens». Goethes Ethik im «West-östlichen Divan»

In der Gestalt eines vom Leben und seiner Glaubensgemeinschaft Abschied nehmenden parsischen Sonnenpriesters erteilt Goethe seine Lehre: pflegsam und schonend mit der uns bergenden Natur umzugehen, das Feuer als irdisches Symbol der alles erhaltenden Sonne zu ehren. Weitere Bezüge: Goethes eigener Sonnenaltar am Hirschgraben, Adam Weishaupts Verknüpfung des Illuminatenordens mit Zarathustras Zend-Avesta und Mozarts Zauberflöte (Sarastro/Zarathustra in einem modisch ägyptisierenden Ambiente). – Nach der Rezitation des Gedichts werden die Motive en détail dargestellt.

Mittwoch, 2. April 2014

Hans Joachim Krenzke (Magdeburg):
Rainer Maria Rilke. Eine Bilderreise zu den Stätten seines Werdens

Rainer Maria Rilke, vom Endzeitbewusstsein geprägt, hielt Optimisten, Utopisten und Ideologen entgegen: «Wer spricht von Siegen? Überstehen ist alles.» Um wenigstens dies zu können, stellte er in den «Sonetten an Orpheus» die Maxime auf: «Wolle die Wandlung.» Dieser Wille zur Wandlung brachte es mit sich, dass sich Rilke auf einer steten Pilgerschaft befand und in über fünfzig Orten Europas und Nordafrikas gelebt und gearbeitet hat. Die chronologische Bilderfolge im Vortrag ist jenen Lebensstationen gewidmet, wo Rilke – am 4. Dezember 1875 in Prag geboren und dort aufgewachsen – Erfahrungen sammelte, die für seine Poesie wesentlich wurden: Worpswede, München, Berlin, Wien, Dresden, Marienbad, Moskau, St. Petersburg, Paris, Rom, Toledo, Capri, Ägypten, schließlich die Schweiz, wo er am 29. Dezember 1926 starb.

Mittwoch, 19. März 2014

Prof. Dr. Bernd Ulrich Hucker (Vechta):
Der historische Faust

Professor Hucker, der an der Universität Vechta (Abteilung für Kulturgeschichte und vergleichende Landesforschung) mittelalterliche Geschichte lehrt, sichtet die Lebenszeugnisse der historischen Ursprungsfigur Dr. Johann Faust quellenkritisch und stellt den geistigen und sozialen Umgriff von dessen Wirken vor. Hieß der historische Faust Johann oder Georg oder gar Heinrich, wie Goethe ihn in der Kerkerszene des «Faust» zu unserer Verblüffung einführt («Heinrich! Mir graut‘s vor dir»)? Hat eine dieser Figuren wirklich gelebt oder gab es am Ende mehrere von ihnen? Wie historisch genau etwa sind die Hinweise zu seinem Geburts- oder Sterbeort zu nehmen? – Der Referent wird sich vor allem auch mit den weithin vergessenen Beobachtungen des Göttinger Volkskundlers Will-Erich Peuckert (1895-1969) auseinandersetzen.

Mittwoch, 12. Februar 2014

Dr. Helmut Förster (Essen):
Mit dem Skizzenbuch durch Goethes Rom

Befreit von den Fesseln des Weimarer Hofs ist Rom für Goethe nicht nur Therapie und Seelenlabsal, sondern wird auch zu seinem künstlerischen und biographischen Höhepunkt: «...ich zähle einen zweiten Geburtstag, eine wahre Wiedergeburt, von dem Tage, da ich Rom betrat.»
Hier stillt er seinen «heißen Durst nach wahrer Kunst» und seine Sehnsucht nach einer intensiven Begegnung mit der Antike: «Ja, hier in deinen göttlichen Mauern ist alles beseelt, o ewiges Rom». Die beglückende und freie Liebe zu einer schönen Römerin verhilft ihm dabei zu einem Menschsein, das er in Dichtung und Leben als die «Apotheose des Menschlichen» (T.J. Reed) verewigt.
1000 Zeichnungen vom November 1786 bis April 1788 bezeugen seine Rom-Begeisterung, deren Motiven der Referent mit dem eigenen Skizzenblock gefolgt ist. Dabei kann man sich von Goethe anstecken lassen: «…dann ist Vergangenheit beständig, das Künftige voraus lebendig – der Augenblick ist Ewigkeit.»Dr. med. Helmut Förster ist uns durch seine humorvollen Glossen in der «Essener Revue» bestens bekannt.

Mittwoch, 27. November 2013

Dr. Bertold Heizmann (Essen):
Der Nibelungen Lied, der Nibelungen Leid. Ein Text und seine Geschichte – mit Hinweisen auf Goethe

Im Wagner-Jahr 2013 ist der Nibelungen-Mythos vielfach präsent. Wagner greift jedoch auf den nordischen Mythos zurück, wohingegen die Dichtung, um die es hier geht, das mittelhochdeutsche Nibelungenlied ist, unterschiedlichste Mythen und Historien bündelt. Nach jahrhundertelangem Schlummer wurde dieser Text im 18. Jahrhundert wiederentdeckt und galt schon bald als deutsches „Nationalepos“, das dem Vergleich mit den antiken Epen standhält.
Der Vortrag geht den Fragen nach, warum diese mittelalterliche Dichtung überhaupt lange vergessen war – und in welcher Form und unter welchen Zeitumständen sie ihren Siegeszug antreten konnte. Die Geschichte dieses Textes ist eine Geschichte voller Missverständnisse; sie eröffnet Einblicke in den komplizierten Umgang der Deutschen mit ihrer eigenen Historie. Und hier lässt sich auch Goethe einbringen, der dem Text teils mit Hochachtung, teils mit Missbilligung, aber in jedem Falle mit einer gehörigen Skepsis gegenüber den nationalistischen Vereinnahmungen begegnete.

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Prof. Dr. Menno Aden (Essen):
Die Nation und ihr Nationaldichter

Die Leipziger Schlacht vor 200 Jahren war in vieler Hinsicht das Gründungsdatum eines neuen deutschen Nationalgefühls. Goethe, der Künder der Weltliteratur, stand den patriotischen Strömungen in Deutschland seit jeher unsicher und skeptisch gegenüber, er schien die vielfach herbeigesehnte deutsche Nation nicht zu brauchen. Aber die Nation brauchte ihn, sie begann jedenfalls, sich seiner als ihres Nationaldichters zu bemächtigen. Die Nationen schufen gleichsam die „Planstelle“ eines Nationaldichters, welche bei uns mit Goethe, in Russland mit Alexander Puschkin, in Dänemark mit Andersen usw. besetzt wurde. Verlauf und Auswirkung dieser Erscheinung werden behandelt und zur Diskussion gestellt.

Mittwoch, 18. September 2013 Prof. Dr. Benedikt Jeßing (Bochum):
Vorstellung des Goethe-Jahrbuchs der Goethe-Gesellschaft Weimar e.V.
Erfahrungsbericht vom Weimarer Sommerkurs 2013

Es ist ein wichtiges Anliegen der Weimarer Muttergesellschaft, die Ortsvereinigungen teilhaben zu lassen an der Arbeit und den Projekten, die von Weimar aus für die Gesellschaft(en) getan wird. Eines der großen Projekte der Weimarer ist die Erstellung des Jahrbuchs der Goethe-Gesellschaft in Weimar, das auf der Höhe aktueller Forschung zu Goethe eine Reihe wichtiger Beiträge versammelt und damit immer wieder den Stand der internationalen Goethe-Forschung dokumentiert. Knapp soll in Auswahl das Jahrbuch vorgestellt werden – dazu soll das zweite wichtige Projekt der Weimarer Gesellschaft, die Ausrichtung des Weimarer Goethe-Sommerkurses, der auch zur Gewinnung neuer junger Mitglieder und Interessenten dient (und der in diesem Jahr wieder von Prof. Dr. B. Jeßing geleitet wird) in einem Erfahrungsbericht präsentiert werden.

Mittwoch, 17. Juli 2013

Dr. Nikolaus Gatter (Köln)
„Mit Absicht läßt sich dergleichen nicht so frisch hervorrufen“:
Berliner Geselligkeit von Rahel Varnhagen bis Henriette Solmar 1800-1860

Fällt das Stichwort ‚Salon‘, dann folgt oft eine Liste prominenter Namen von Schlegel über Humboldt bis Prinz Louis Ferdinand, eingeladen von geistreichen Jüdinnen. Doch wie sah die Praxis aus? Wer durfte kommen und auf welchen Möbeln saß man, wurden nur Tee und Schnittchen gereicht, und womit vertrieb man sich die Zeit? Von Visitenkarten und Scherenschnitten, Gelegenheitsgedichten und Rollenspielen und vom Ende der Geselligkeit durch politischen Parteienzwist berichtet Nikolaus Gatter, Vorsitzender der Varnhagen Gesellschaft e. V. (Köln).

Mittwoch, 19. Juni 2013

Dr. Arnold Pistiak (Potsdam):
„Ich liebe“ oder: Füchsin, Natter, Teufelin.
Anmerkungen zur Figurenentwicklung in
Così fan tutte – mit Seitenblick auf Goethe

Dieser Vortrag zielt auf einen neuen Zugang zu der zumeist unterschätzten Oper Mozarts. Im Unterschied zu traditionellen Lesart wendet sich der Referent entschieden gegen solche Urteile wie „Sittenlosigkeit“ oder Zynismus und betont den verblüffenden emanzipatorischen Gehalt des Werkes. Mit Blick auf die damaligen Aufführungen der Oper in Weimar wird sodann der Versuch unternommen, dem Verhältnis von Goethes Roman Die Wahlverwandtschaften zu Così fan tutte nachzugehen.
Dr. Pistiak ist uns seit seinem geist- und humorvollen Vortrag über „Friedrich Schiller in Liedern von Franz Schubert“, den er vor einigen Jahren bei uns gehalten hat, bestens bekannt.

Mittwoch, 15. Mai 2013

Prof. Dr. Gunter E. Grimm (Duisburg-Essen)
«Die Idee, ich hätte so ausgesehen…»
Goethe-Bilder in den Medien des 19. und 20. Jahrhunderts

Bei Goethes Selbstinszenierung spielten auch Gemälde und Statuen eine bedeutsame Rolle. Sie haben unser ‚Bild‘ von Goethes Aussehen geprägt. Es ist belegt, dass verschiedene Künstler, denen Goethe Modell gesessen hat, seine Wünsche berücksichtigt bzw. nachträgliche Änderungen vorgenommen haben. Nach Goethes Tod begann die Phase, in der dem Dichter Denkmäler errichtet wurden, die sich an eben diesen zu Lebzeiten gemalten Bildnissen oder modellierten Büsten orientiert haben. In gewisser Weise führten sie die von Goethe selbst gestiftete Form des Repräsentativen fort und schufen damit eine bürgerliche Tradition der Künstler-Apotheose. Der Vortrag soll an ausgewählten Beispielen analysieren, wie das von Goethe angelegte Selbstbild sich zu verselbständigen begann und wie – vor allem in den der Verehrung und der Verbreitung dienenden Medien (Goethe-Denkmäler, Postkartenserien, Illustrationen in populären Literaturgeschichten) – das Bild vom ‚Olympier‘ Goethe etabliert wurde.

Mittwoch, 17. April 2013

 Dr. Klaus Neuhoff (Essen):
«Tätig zu sein ist des Menschen erste Bestimmung».
Der Begriff der «Tätigkeit» zwischen Aufklärung und Goethezeit.

Das Zeitalter der Aufklärung brachte einen neuen Herrschertyp hervor, der, nach den Worten Friedrichs II., bestrebt war, «lieber als ‹Schulmeister› denn als ‹Tyrann› aufzutreten.» Zu dieser neuen Rolle gehörte jetzt, nicht nur im Adel, die Selbstverpflichtung, sich zu bilden und ‹tätig› zu werden. Es formen sich Akademien und wissenschaftliche Gesellschaften, in denen die Zukunft einer humaneren Menschheit vorgedacht wird. In diesen Kontext ist auch Goethe zu stellen, der wiederholt in seinen Schriften das Tätig-Sein als Bestimmung, aber auch als Vergnügen, darstellt. Immer breitere Schichten werden in diesem Sinne ‹tätig›: Das bürgerliche Zeitalter kündigt sich an.

Hinweis: Der Vortrag findet ausnahmsweise in der Aula der Wirtschaftsschule WIPA, Maxstr. 58, statt.

Mittwoch, 6. März 2013

Hartmut Heinze, M.A. (Berlin):
Goethe und sein „Zweiter Fritz“.
Leben und Werk des Hanauer Malers Friedrich Bury – zum 250. Geburtstag

Goethe lernte den jungen Hanauer Maler Bury in Rom kennen – dort stand Bury in enger Verbindung zu Anton Wilhelm Tischbein – und war von seinem Wesen und Schaffen sehr angetan; so schrieb er an Fritz von Stein in Weimar, dass er nun in Rom einen „zweiten Fritz“ gefunden habe. Bury war ein studierter Maler, der auch nach seiner Rückkehr aus Italien 1799 in Weimar, Berlin, Kassel und Den Haag, vor allem als Porträtist, reüssierte.
Zum 250. Geburtstag (Bury wurde am 13. März 1763 geboren; er starb am 18. Mai 1823 in Aachen) wird sein Werk in vielen Beispielen vorgeführt und – nicht nur in Bezug auf Goethe – gewertet.

Mittwoch, 20. Februar 2013

Prof. Dr. Jörn Rüsen (KWI Essen):
Liebe in Goethes Faust

In Goethes Faust, insbesondere in «Der Tragödie erster Teil», ist die sogenannte Margareten-Handlung schon seit dem Faust in ursprünglicher Gestalt seit der ersten Hälfte der 1770er Jahre ein selbständiges «bürgerliches Trauerspiel» innerhalb des Gelehrtendramas und innerhalb des durch den «Prolog im Himmel» anmoderierten Welttheaters. Antworten auf die Fragen danach, ob und wie Margarete Faust liebt, ob aber vor allem Faust Margarete liebt, wie diese (gegebenenfalls vorhandene) Liebe sich äußert, wie aus ihr fundamentale Schuld Fausts wird, wie sie Faust als Figur charakterisiert, füllen mittlerweile Bibliotheken – und werden weiterhin höchst kontrovers diskutiert. Der Vortrag will am Text die «Liebe in Goethe Faust» erörtern und damit Ausgangspunkt für die Fortsetzung dieser Diskussion werden.

Hinweis: Der Vortrag war bereits für den 21. März 2012 angekündigt, musste dann aber wegen eines Streiks im Öffentlichen Dienst abgesagt werden.

Mittwoch, 21. November 2012

17.30 Uhr außerordentliche Mitgliederversammlung im Bürgermeisterhaus Werden, Heckstraße 105

Tagesordnung : 1) Ergänzungswahlen zum Vorstand
                           2) Wahl der Rechnungsprüfer

19.00 Uhr  Musikalisches Programm des“ Ensembles Dreiklang „ : Aus Sturm
                  und Drang zum Ideal. – Goethe-Lieder und Lesung aus „Dichtung
                  und Wahrheit“
                  vorgetragen von Tatjana Dravenau – Klavier; Andreas Post –Tenor;
                  Peter Heusch – Rezitator.

20.00 Uhr  Imbiss und Getränke zum geselligen Ausklang des Abends

Die Veranstaltung ist für Mitglieder der Goethe-Gesellschaft kostenfrei. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird gebeten.

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Prof. Dr. Ralph Köhnen (Bochum):
Spezialisten und Generalisten.
Goethes Bildungskonzepte im Zeitalter von «Standards» und «Kompetenzen»


Goethe hat insbesondere in seinen literarischen Werken (Wilhelm Meister, Die Wahlverwnadtschaften), aber auch in vielzähligen (kunst-)pädagogischen Beiträgen zu seiner Zeitschrift Die Propyläen um 1800 ein spezifisches Konzept von Bildung formuliert, das ihn mit seiner Vorstellung der Bildung des «ganzen Menschen», cum grano salis, in den europäischen Neuhumanismus einordnet. – Die aktuelle Bildungspolitik, die Universitäten und Schulen gleichermaßen betrifft, hat eine Vielzahl von «Standards» und definierbarer «Kompetenzen» formuliert, die gewissermaßen weit unter der universalistischen Bildungsidee Goethes zu rangieren scheinen. Goethes Bildungsvorstellung gleichsam als Meßlatte für aktuelle Bildungs- und Ausbildungskonzepte heranzuziehen, ermöglicht einen kritischen Blick auf die gegenwärtige Bildungssituation – umgekehrt kann allerdings auch nach den Maßgaben gegenwärtiger gesellschaftlicher Anforderungen das ältere Konzept kritisch hinterfragt werden.

Mittwoch, 19. September 2012

Prof. Dr. Benedikt Jeßing (Bochum):
Vorstellung des Goethe-Jahrbuchs der Goethe-Gesellschaft Weimar e.V.
Erfahrungsbericht vom Weimarer Sommerkurs 2012


Es ist ein wichtiges Anliegen der Weimarer Muttergesellschaft, die Ortsvereinigungen teilhaben zu lassen an der Arbeit und den Projekten, die von Weimar aus für die Gesellschaft(en) getan wird. Eines der großen Projekte der Weimarer ist die Erstellung des Jahrbuchs der Goethe-Gesellschaft in Weimar, das auf der Höhe aktueller Forschung zu Goethe eine Reihe wichtiger Beiträge versammelt und damit immer wieder den Stand der internationalen Goethe-Forschung dokumentiert. Knapp soll in Auswahl das Jahrbuch vorgestellt werden – dazu soll das zweite wichtige Projekt der Weimarer Gesellschaft, die Ausrichtung des Weimarer Goethe-Sommerkurses, der auch zur Gewinnung neuer junger Mitglieder und Interessenten dient (und der in diesem Jahr wieder von Prof. Dr. T.J. Reed, Oxford, und B. Jeßing geleitet wird) in einem Erfahrungsbericht präsentiert werden.

Mittwoch, 20. Juni 2012

Jahreshauptversammlung der Goethe-Gesellschaft Essen e.V.

Aufgrund des organisatorischen Aufwands für die Ausrichtung der Jahrestagung der Vorstände der Ortsvereinigungen der Goethe-Gesellschaft in Weimar e.V. vom 17.-20. Mai in Essen wird die Jahreshauptversammlung unserer Gesellschaft erst im Juni stattfinden können. Für die Jahreshauptversammlung ergeht selbstverständlich noch eine formelle Einladung mitsamt Zeit- und Ortsangaben.

Freitag, 18. Mai 2012

Fest- und Auftaktveranstaltung
im «Haus der Technik» Essen,
Saal B
Moderation: Prof. Dr. B. Jeßing
Grußworte

Reinhard Paß , Oberbürgermeister der Stadt Essen
Dr. habil Jochen Golz, Vorsitzender der Goethe-Gesellschaft Weimar e.V.
Dr. Stephan J. Holthoff-Pförtner, Schirmherr der Jahrestagung

Festvortrag
Prof. Dr. Terence James Reed, Oxford:
«Der säkulare Goethe» Musikalische Umrahmung:

Streichquartett aus Mitgliedern
des Folkwang-Kammerorchesters

Alle Mitglieder der Goethe-Gesellschaft Essen e.V. sind zu dieser Auftaktveranstaltung herzlich eingeladen!

Mittwoch, 18. April 2012

Prof. Dr. Harald Goebell (Essen):
Die Darstellung von Jugend in der Kunst

Unzählige Stoffe, Motive, Sujets und Themen wurden im Verlaufe der Geschichte europäischer Kunst und Literatur zu universellen Topoi künstlerischer und literarischer Bildung, die seit der Antike in unzähligen Varianten und Darstellungsweisen ausbuchstabiert worden sind. Der Vortrag will auf der Basis einer reichen Kenntnis der insbesondere neueren Kunstgeschichte den Variantenreichtum der Darstellung eines bestimmten Motivs in der bildenden Kunst nachvollziehen – und wird damit gleichzeitig eine Vielzahl beliebter und berühmter Kunstwerke wieder vor Augen führen.

Mittwoch, 21. März 2012

Prof. Dr. Jörn Rüsen (KWI Essen):
Liebe in Goethes Faust In Goethes Faust, insbesondere in «Der Tragödie erster Teil», ist die sogenannte Margareten-Handlung schon seit dem Faust in ursprünglicher Gestalt seit der ersten Hälfte der 1770er Jahre ein selbständiges «bürgerliches Trauerspiel» innerhalb des Gelehrtendramas und innerhalb des durch den «Prolog im Himmel» anmoderierten Welttheaters. Antworten auf die Fragen danach, ob und wie Margarete Faust liebt, ob aber vor allem Faust Margarete liebt, wie diese (gegebenenfalls vorhandene) Liebe sich äußert, wie aus ihr fundamentale Schuld Fausts wird, wie sie Faust als Figur charakterisiert, füllen mittlerweile Bibliotheken – und werden weiterhin höchst kontrovers diskutiert. Der Vortrag will am Text die «Liebe in Goethe Faust» erörtern und damit Ausgangspunkt für die Fortsetzung dieser Diskussion werden.

Mittwoch, 22. Februar 2012

Prof. Dr. Ricarda Bauschke-Hartung (Düsseldorf):
Goethe und die mittelalterliche Lyrik

Goethes Verhältnis zum Mittelalter entwickelt sich zwar schon in seiner Straßburger Zeit angesichts des beeindruckenden Münsters und seiner Verehrung für dessen Baumeister, kommt in seinem Spätwerk auch in seinen Stellungnahmen zum Weiterbau des Kölner Doms und zu mittelalterlichen Kunstwerken zum Ausdruck. Sein Verhältnis zu mittelalterlicher Lyrik aber erscheint wissenschaftlich und goethe-philologisch reichlich «unterbelichtet»; mittelalterliche Literatur als Bezugsdimension von Goethes poetischer Arbeit rückte bisher nicht in den Fokus literaturwissenschaftlichen Interesses.
   Der Vortrag will mit reichhaltigen Gedichtrezitationen diesen stark vernachlässigten literarhistorischen Kontext von Goethes poetischem Schaffen erarbeiten und Einblicke in eine unbekannte Dimension von Goethes Kenntnis und Wertachtung der älteren deutschen Literatur bieten.

Mittwoch, 23. November 2011

Prof. Dr. Ricarda Bauschke-Hartung (Düsseldorf):
Goethe und die mittelalterliche Lyrik

Goethes Verhältnis zum Mittelalter entwickelt sich zwar schon in seiner Straßburger Zeit angesichts des beeindruckenden Münsters und seiner Verehrung für dessen Baumeister, kommt in seinem Spätwerk auch in seinen Stellungnahmen zum Weiterbau des Kölner Doms und zu mittelalterlichen Kunstwerken zum Ausdruck.
Sein Verhältnis zu mittelalterlicher Lyrik aber erscheint wissenschaftlich und goethe-philologisch reichlich «unterbelichtet»; mittelalterliche Literatur als Bezugsdimension von Goethes poetischer Arbeit rückte bisher nicht in den Fokus literaturwissenschaftlichen Interesses.
Der Vortrag will mit reichhaltigen Gedichtrezitationen diesen stark vernachlässigten literarhistorischen Kontext von Goethes poetischem Schaffen erarbeiten und Einblicke in eine unbekannte Dimension von Goethes Kenntnis und Wertachtung der älteren deutschen Literatur bieten.

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Dr. Angela Steidele (Köln):
Adele Schopenhauer und Sibylle Mertens. — Die Geschichte von Goethes «enfant chérie» und ihrer Lebensgefährtin

Adele Schopenhauer (1797–1849) ersetzte Goethe die Tochter, die er nicht hatte. Er spielte mit ihr und ihren Puppen, unterrichtete sie später in Literatur und Kunst, besetzte sie als Schauspielerin in Festspielen und bewunderte ihre Scherenschnitte. In Köln lernte sein Schützling 1828 die «Rheingräfin» Sibylle Mertens-Schaaffhausen (1797–1857) kennen und lieben. Zwanzig Jahre lang lebte sie mit der Archäologin, Antikensammlerin, Mäzenin und Salonière in Bonn und Rom zusammen. Während Sibylles Mann und sechs Kinder ihre Liebe als «Unrecht, Wahnwitz, Tollheit» bekämpften und Adeles Bruder Arthur «Ueber die Weiber» geiferte, warf Goethe einen altersmilden Blick auf sein «theuerstes Adelchen» und ihre Partnerin, der er die Medusenzeichnung in seinem Treppenhaus verdankt.

Angela Steidele: Geschichte einer Liebe: Adele Schopenhauer und Sibylle Mertens (Berlin: Insel, 336 S., gebunden, mit zahlreichen Abbildungen)

Mittwoch, 14. September 2011

Dr. Heike Spies (Düsseldorf):
Naturwissenschaftliches in Goethes «Faust»

gemeinsam mit der «Naturwissenschaftlichen Gesellschaft» e.V.

Goethes «Faust», insbesondere «Der Tragödie zweiter Teil», ist gekennzeichnet von einer Fülle an
Anspielungen auf naturwissenschaftliches Wissen, das der (u.a.) Osteologe, Botaniker, Mineraloge und Meteorologe Goethe aus der naturwissenschaftlichen Tradition kannte und dessen Erkenntnisfortschritt er als Aufseher über die Universität Jena und Mitglied der dortigen «Naturforschenden Gesellschaft» zeitlebens mitvollzog: Die Entdeckung der künstlichen Harnstoffsynthese oder die Reflexion der Entstehung der Erdgestalt sind nur zwei Beispiele für naturwissenschaftliches Wissen im «Faust II». Der Vortrag soll präzise die
Modellierung naturwissenschaftlichen Wissens in Goethes dramatischem Hauptwerk nachvollziehen.

Mittwoch, 15. Juni 2011

Prof. Dr. Menno Aden (Essen):
Richard Francis Burton und sein Sinngedicht «Kasidah»

Das 19. Jahrhundert entdeckte die Welt noch einmal. Jetzt waren es nicht Konquistadoren  und Glücksritter, sondern Reisende auf der Suche nach Wissen über die Welt und das, was sie im Innersten zusammenhält. Richard Burton war als Weltensammler (Trojanow) sein Leben lang zwischen Völkern und Kontinenten auf Reisen. Als  Kenner  vieler, insbesondere orientalischer  Sprachen, hatte er einen direkten Zugang zu allen Hochreligionen. Denn auch die Religion wurde neu entdeckt. Goethes West-Östlicher Divan ist ein prominentes Beispiel für das neue Interesse am Orient.
Richard Burton setzt sich den Glaubenszweifeln aus, die wohl jeder erlebt, der in fremden Kulturen und Religionen eintaucht. Seine Einsichten kondensiert er  in seinem langen Sinngedicht Kasidah. Darin vergleicht er die  Hauptreligionen mit einander und entscheidet sich zuletzt für eine un­dogmatische Weltreligion der diesseitigen Pflichterfüllung, wie sie auch Goethe vorgeschwebt haben mag.

Mittwoch, 18. Mai 2011

Dr. Bertold Heizmann (Essen):
«Klassisch ist das Gesunde – romantisch das  Kranke» Goethes Kritik an den Romantikern

«Klassik» und «Romantik» sind - als Epochenbezeichnungen - nachträgliche Etikettierungen. Wenn Goethe mehrfach formelhaft das «Klassische» als das «Gesunde» und das «Romantische» als das «Kranke» bezeichnete, ist es deshalb notwendig, diese Begriffe in den zeitgeschichtlichen Kontext zu stellen, um zeigen zu können, worauf sich Goethes Kritik wesentlich richtet. Somit soll ein Beitrag zur Erhellung des komplizierten Verhältnisses sowie der wechselseitigen Beeinflussung zwischen dem «klassischen» Goethe und seinen «romantischen» Zeitgenossen geleistet werden.

Mittwoch, 6. April 2011  

Dr. Günter Schomaker (Essen):
Kafka und Goethe

Seit seiner Schulzeit am Altstädter Deutschen Gymnasium zu Prag hat sich Kafka, den man auch gerne als einen Klassiker der Moderne bezeichnet, mit Goethe, dem Weimarer Klassiker, beschäftigt.
In zahlreichen, meist sehr kurzen Anmerkungen in den Tagebüchern und Briefen bezieht Kafka Stellung zu Goethe, eine Stellung, die zwischen Attraktion und Zurückweisung schwankt und doch in Goethe die literarische Vaterfigur verehrt. Kafka verweist auf Ähnlichkeiten und Unterschiede im Schreibprozeß und gibt Einblick in poetologische Verfahren, die das Gemeinsame im scheinbar Unvereinbaren erkennen lassen. Da Kafka sich theoretisch selten zum eigenen Werk geäußert hat, kommt diesen Textstellen zu Goethe eine besondere Bedeutung zu.

Mittwoch, 16. März 2011 Dr. Margrit Wyder (Zürich):
Der »Kunschtmeyer« – Annäherungen an Goethes Schweizer Freund

Der Maler und Kunsthistoriker Johann Heinrich Meyer (1760–1832) aus Zürich gehörte seit der ersten Bekanntschaft mit Goethe in Italien zu dessen engsten Freunden und Mitarbeitern. Über 40 Jahre lebte Meyer in Weimar bescheiden und offenbar zufrieden an der Seite des großen Geistes. Dabei nahm der Schweizer in Weimar wichtige Funktionen wahr: als Goethes Innenarchitekt und stellvertretender Hausvorstand, als Professor an der Zeichenschule und Lehrer von Großfürstin Maria Pawlowna, als Kunstkritiker und Lektor von Goethes Texten. Wer war der Mann, der trotz zahlreicher Anfeindungen dem Klassizismus in der Kunst stets verpflichtet blieb? Der Vortrag versucht eine Darstellung von Leben und Werk des als »Kunschtmeyer« bekannten Malers aufgrund neuer Quellen.

Mittwoch, 23. Februar 2011

Prof. Dr. Benedikt Jeßing (Bochum):
«Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an» – Natur und Mensch in Goethes Balladenschaffen

Vor allem das frühe Balladenschaffen Goethes thematisiert im Kontext einer Naturauffassung, die exemplarisch für den Sturm und Drang zu Beginn der 1770er Jahre steht, die problematische, naturmagisch-verführerische Seite der Natur gegenüber dem Menschen – sowie ebenfalls die gewaltsamen bzw. rationalen oder irrational-empfindsamen Momente des menschlichen Zugriffs auf Natur. Am Beispiel des «Heidenrösleins», des «Fischers» und des «Erlkönigs» soll die Reflexion des Verhältnisses von Mensch und Natur in diesen bekannten Goethe-Texten nachvollzogen werden.


Vorträge 2010

Mittwoch, 24. November 2010

Dr. jur. Dr. hc. mult. Manfred Osten
Anatomie einer Freundschaft. Goethe über Schiller oder Barbarei und die Ästhetik der Entschleunigung

Auf Schillers in den ästhetischen Briefen gestellte, unverändert aktuelle Frage, woran es liege, «dass wir immer noch Barbaren sind», antwortet Goethe ein Vierteljahrhundert später mit der Definition des Barbarischen als «Nichtanerkennen des Vortrefflichen». Entsprach jedoch die für Goethe ruhelos «voreilende» Natur seines Freundes Schiller wirklich seinem Ideal des «Vortrefflichen»? Lag nicht im ruhelosen «Voreilen» der Grund jener Barbarei der Moderne, die Nietzsche dann auf die Formel bringen wird: «Aus Mangel an Ruhe läuft unsere Zivilisation in eine neue Barbarei aus. Zu keiner Zeit haben [...] die Ruhelosen mehr gegolten.»?

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Prof. Dr. Ernst Osterkamp (Berlin)
«Gesamtbildung und freier Genuss. Wechselwirkungen zwischen Goethe und Wilhelm von Humboldt».

Das Thema des Vortrags bilden die Wechselwirkungen zwischen Goethe und Wilhelm von Humboldt. Goethe hat seit den Jahren der «Horen» «unser schönes Quatuor», das Quartett aus Schiller, Humboldt, Heinrich Meyer und ihm selbst, als der Inbegriff einer produktiven Gemeinschaft gegolten. Humboldt blieb danach für Goethe lebenslang ein wichtiger Vermittler politischer, künstlerischer und kultureller Anregungen und Themen aus den Metropolen Europas, mit dem er sich durch gemeinsame ästhetische Grundüberzeugungen verbunden wusste. Goethes Bedeutung für Humboldt, aber auch Humboldts Bild der deutschen Klassik generell soll anhand seiner Schriften «Aesthetische Versuche. Erster Theil. Über Goethes Hermann und Dorothea» (1799) und «Recension von Goethes zweitem römischen Aufenthalt» (1830) konturiert werden. Der Einfluss Goethes auf Humboldt lässt sich aber auch anhand von wichtigen kulturpolitischen Entscheidungen Humboldts nachweisen.

Mittwoch, 22. September 2010

Dr. Norbert Küpper (Essen)
Gretchen

Faust hat sich an Mephisto gebunden. Dieser will ihn von seinem «Urquell abziehen» und ihn «auf seinem Wege mit herabführen» (Prolog im Himmel). Bald muss Faust erkennen, dass Mephisto der «Gefährte» ist, «den er schon nicht mehr entbehren kann» (Wald und Höhle) und das, obwohl jener selber sagt, dass er ein «Teil der Finsternis» sei (Studierzimmer).
Aber welche Wirkung hat Gretchen auf Faust? Ist sie Mephistos Widersacherin? Wer ist sie überhaupt? Vermag sie Faust zu retten, gar zu erlösen?

Mittwoch, 15. Juni 2011

Prof. Dr. Menno Aden (Essen):
Richard Francis Burton und sein Sinngedicht «Kasidah»

Das 19. Jahrhundert entdeckte die Welt noch einmal. Jetzt waren es nicht Konquistadoren  und Glücksritter, sondern Reisende auf der Suche nach Wissen über die Welt und das, was sie im Innersten zusammenhält. Richard Burton war als Weltensammler (Trojanow) sein Leben lang zwischen Völkern und Kontinenten auf Reisen. Als  Kenner  vieler, insbesondere orientalischer  Sprachen, hatte er einen direkten Zugang zu allen Hochreligionen. Denn auch die Religion wurde neu entdeckt. Goethes West-Östlicher Divan ist ein prominentes Beispiel für das neue Interesse am Orient.
Richard Burton setzt sich den Glaubenszweifeln aus, die wohl jeder erlebt, der in fremden Kulturen und Religionen eintaucht. Seine Einsichten kondensiert er  in seinem langen Sinngedicht Kasidah. Darin vergleicht er die  Hauptreligionen mit einander und entscheidet sich zuletzt für eine un­dogmatische Weltreligion der diesseitigen Pflichterfüllung, wie sie auch Goethe vorgeschwebt haben mag.

Mittwoch, 19. Mai 2010

Dr. Sylke Kaufmann (Kamenz)
Henriette von Pogwisch (1776-1851) und ihre Französische Lesegesellschaft in Weimar

Der Vortrag beschäftigt sich mit der Weimarer Hofdame Henriette von Pogwisch. Bei der Vorstellung ihrer Biographie wird auch auf ihre Kontakte zu Goethe eingegangen, mit dem sie seit der Heirat ihrer Tochter Ottilie mit seinem Sohn August verwandtschaftlich verbunden war. Pogwisch leistete einen aktiven Beitrag zur Weimarer Geselligkeit. So führte sie über Jahrzehnte zwei Lesegesellschaften. Insbesondere ihre Französische Lesegesellschaft ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Sie wird daher genauer betrachtet, wobei sich sowohl interessante Rückschlüsse auf die Lektüre-Vorlieben einer zeitgenössischen Adligen als auch auf Goethes Aufgeschlossenheit für solche neuen Formen der Literaturvermittlung ergeben. Der Dichter nutzte das Angebot der Lesegesellschaft intensiv und beschaffte sich auf diese Weise u. a. Bücher, die seine Weltliteraturtheorie maßgeblich beeinflusst haben.

Mittwoch, 21. April 2010

Prof. Dr; Martin Bollacher (Bochum)
«... keine Liebschaft war es nicht» Goethe und Ulrike von Levetzow im Spiegel von Martin Walsers Roman «Ein liebender Mann»

In seinem 2008 erschienenen Roman Ein liebender Mann verbindet Martin Walser die ebenso schockierende wie rührende Geschichte von Goethes später Liebe zu der blutjungen Ulrike von Levetzow, die in dem Großgedicht der Marienbader Elegie ihren poetischen Niederschlag gefunden hat, mit seinem eigenen psychologischen und literarischen Interesse an der Motivkonstellation <liebender alter Mann - junge Frau>. Seinem Verfahren des Kombinierens und Verdichtens ordnet er das historisch-biographische Material unter und präsentiert einen Goethe <von innen>, der dem Leser mittels der Rollenprosa und der <erlebten Rede> Einblick in seine geheimsten Gedanken und Stimmungen gewährt. Die gesellschaftlich anstößige Liebe zwischen dem «undisputed sovereign of European literature» (Byron) und dem aristokratischen «Töchterchen» wird in einer Mischung von Ironie und Respekt, Einfühlung und Distanz, Realität und Fiktion nacherzählt und zu einem eigenständigen (dokumentarischen Roman> geformt

Donnerstag, 25. März 2010

Dr. Arnold Pistiak (Potsdam)
«Schöne Welt, wo bist du?» — Friedrich Schiller in Liedern von Franz Schubert

Wer kennt nicht einige von Schuberts Goetheliedern? Aber wer kennt Schuberts Lieder nach Texten von Schiller? Dabei hat sich der Wiener Komponist in unterschiedlichen Lebensphasen immer wieder Dichtungen Schillers zugewandt und Lieder geschaffen, die gewiss nicht so spektakulär waren wie der Erlkönig, von denen aber eine ganze Anzahl an Tiefe und Reichtum der Empfindungen, an beeindruckender Originalität, an musikalischer Kühnheit wie an gedanklicher Reife jeden Vergleich mit seinen Goetheliedern aushalten. Solche Kompositionen wie der Klagegesang «Die Götter Griechenlands» oder die späte Ballade «Der Alpenjäger» lassen sich wohl nur als bewundernswerte musikalisch-poetische Schöpfungen verstehen und aneignen. Und gerade darum soll es in dem Vortrag gehen: Dem subjektiven und zugleich souveränen Umgang des Komponisten mit Gedichten Schillers nachzufragen und damit spezifische Möglichkeiten genussvoller Aneignung von Wort und Ton anzudeuten.

Mittwoch, 17. Februar 2010

Hartmut Heinze (Berlin)
Goethes «sehr ernste Scherze» im «Faust-ll»-Finale

Es gilt, den originalen Text Goethes im Faust II-Finale aufmerksam zu lesen; dann wird sogleich klar, dass Goethes Poetik auch hier, kontrastierend ironisch, Selbst- und Weltkritik in den Gehalten symbolisch anschaulich macht. Goethe selbst nennt das seine «sehr ernsten Scherze»: In diesem Oxymoron zeigt er in Faust den Wirtschaftstäter in grausiger Verblendung und in Lynkeus den, der Schönheit wie Grauen erschaut, aber machtlos ist, zeigt also den tragischen Zwiespalt der Übereilung in der zerstörerischen Naturausbeutung. So erscheint die Epiphanie der «Göttin» illusionär, ein weiteres «Opernfinale über dem Abgrund» (Schiller) wie in «Egmont», den «Urworten. Orphisch» oder in «Symbolum».